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Kritik reißt nicht ab

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat sein Engagement für eine Null-Risiko-Variante in der EUDR bekräftigt. Parallel dazu erneuerten…

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat sein Engagement für eine Null-Risiko-Variante in der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) bekräftigt. Parallel dazu erneuerten Waldbesitzer und Vertreter der Tierhaltung ihren Ruf nach einer Überarbeitung der EUDR, die ihrer Einschätzung nach ansonsten mit hohen Bürokratiekosten verbunden wäre.

Wie Rainer am Donnerstag (24.7.) bei einem Waldspaziergang mit Vertretern des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) in Niederbayern versicherte, steht Deutschland zu den Zielen der EUDR. Diese dürfe aber nicht zum "Hemmschuh" werden. Dasselbe gelte für das Naturwiederherstellungsgesetz (NRL). Beim Schutz der Lebensgrundlagen würden praxistaugliche Lösungen gebraucht.

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nahm den Waldspaziergang zum Anlass, sich gegen das NRL in seiner jetzigen Form auszusprechen. Für einen aktiven Waldumbau bräuchten die Waldbesitzer Freiraum. Auch AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter lehnt das NRL in seiner jetzigen Form ab. Eine Wiederherstellung zurück zu starren Wald-Referenzzuständen der Vergangenheit ignoriere den Klimawandel, den Standortsdrift und die zukünftig notwendige Baumartenvielfalt und sei daher zum Scheitern verurteilt.

Daneben warnte Bitter, dass eine EUDR ohne Null-Risiko-Kategorie den deutschen Privatwald laut Berechnungen der AGDW jährlich rund 60 Mio. Euro kosten würde, ohne dass ein zusätzlicher Beitrag zur Vermeidung der weltweiten Entwaldung geleistet werden könnte. Diese Kosten seien deutlich höher als die letztjährige Förderung für Wiederaufforstung und Waldumbau im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) und damit inakzeptabel.

Digitale Lösung liefern

Heftige Kritik an der EUDR kam vom Bundesverband Rind und Schwein (BRS). "Ein Nachweis auf Entwaldungsfreiheit für eine Kuh aus der Wesermarsch ist absurd", erklärte BRS-Hauptgeschäftsführer Steffen Reiter. Es sei unverständlich, warum Tierhalter in Ländern, die nachweislich keine Entwaldung betrieben, zusätzlich dokumentieren müssten, dass sie keine Wälder zerstörten. Ohne eine Null-Risiko-Kategorie werde die Verordnung zum Bürokratiemonster für die deutschen Rinderhalter und alle nachfolgenden Betriebe in der Kette.

Sollte die Einführung einer Null-Risiko-Kategorie in Brüssel nicht durchgesetzt werden können, wird laut Reiter eine sofort umsetzbare digitale Lösung gebraucht. In Deutschland könne diese über eine Anpassung der sogenannten HIT-Datenbank erreicht werden. Allerdings dränge die Zeit. Wenn die Systeme nicht zum 1. September verfügbar seien, könnten die betroffenen Unternehmen ihre eigenen Warenwirtschaftssysteme nicht darauf einstellen.

Als "besonders problematisch" wertet der BRS-Hauptgeschäftsführer, dass jeder Mitgliedstaat die Umsetzung der EUDR auf eigene Weise organisiere. Teils sei eine buchstabengetreue Umsetzung geplant, teils eine sehr großzügige, so Reiter. Ein fairer Handel innerhalb der EU werde dadurch unmöglich. Daher sei bei der Verordnung eine EU-weit abgestimmte Umsetzung wichtig. AgE